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Avalkredit und Mietaval einfach erklärt

Avalkredit, auch Bankaval genannt, wer im geschäftlichen Bereich tätig ist, gleichgültig ob Inhaber eines Betriebes oder Angestellter, wird mit diesen Begriffen vertraut sein.

Avalkredite sind ein gebräuchliches Mittel zur Stellung von Sicherheiten nicht nur im Außenhandel, sondern auch bei inländischen Geschäften.

Aber Privatpersonen können mit Avalkredit ebenso in Berührung kommen, wenn es ihnen häufig auch nicht bewusst wird.

Mietbürgschaften sind nichts anderes als Avalkredite, abgekürzt häufig Mietaval genannt.

Und wer einmal in eine zivilrechtliche Streitigkeit verwickelt war, wird sehr wahrscheinlich in einem vorläufig vollstreckbaren Urteil den Begriff „Prozessbürgschaft“ gelesen haben.

Definition

Mit einem Avalkredit übernehmen Banken (Avalkreditgeber) die Gewähr gegenüber einem Dritten (Begünstigter), dass ihr Bankkunde (Avalkreditnehmer) seinen Verpflichtungen gegenüber dem Begünstigten vereinbarungsgemäß nachkommen wird.

Beispiel: Der Einzelhändler E vereinbart mit dem Lieferanten L Warenlieferungen zu einem Preis von 20.000 €. Zur Absicherung der Kaufpreisforderung bestellt E einen Avalkredit bei seiner Bank B zu Gunsten des L.

Der Lieferant L kann nun darauf vertrauen, dass er den Kaufpreis erhalten wird, entweder von seinem Vertragspartner E oder von der Bank.

Er muss sich über die Bonität seines Vertragspartners E keine Gedanken machen und kann sich seinerseits mit den zu liefernden Waren eindecken.

An einem Avalkredit sind also drei Parteien beteiligt. Avalkreditgeber (die Bank B) und Avalkreditnehmer (der Einzelhändler E) schließen einen Kreditvertrag ab, der eine entgeltliche Geschäftsbesorgung (Paragraf 675 BGB) umfasst.

Darin verpflichtet sich die Bank gegen Zahlung einer Avalprovision, zu Gunsten des Einzelhändlers E dem Lieferanten L eine Haftungsübernahme zu garantieren.

Manche Kreditinstitute erlauben ihren Firmenkunden die Vereinbarung eines Avalkredit Kreditrahmens. Innerhalb des bewilligten Rahmens können dann einfach Bürgschaftsübernahmen in Auftrag gegeben werden.

Über diese Haftungsübernahme wird ein Vertrag zwischen dem Begünstigten (dem Lieferanten L) und der Bank B geschlossen.

Die rechtliche Ausgestaltung dieser Haftungsübernahme richtet sich nach Zweck und Art des Avalkredits.

Häufig handelt es sich um eine Bürgschaft (§§ 765 ff BGB).

Bei Auslandsgeschäften ist ein Garantievertrag gebräuchlich, dessen Vertragsbedingungen sich seit Anfang der Neunzigerjahre regelmäßig nach den „Einheitlichen Richtlinien für Vertragsgarantien der internationalen Handelskammer“ richten.

Im Rahmen eines Avalkredits stellt die Bank kein Geld zur Verfügung, sondern Haftungszusagen auf der Grundlage ihrer Kreditwürdigkeit. Deshalb spricht man von Kreditleihe im Gegensatz zur Geldleihe bei ausgezahlten Krediten.

Aus der Sicht der Bank sind Avalkredite sogenannte Eventualverbindlichkeiten. Die Bank wird nur in Anspruch genommen, wenn der Bankkunde seinen vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem Begünstigten nicht nachkommt.

Bilanziert werden Avalkredite unter „Verbindlichkeiten aus Bürgschaften und Gewährleistungsverträgen“ unter dem Strich oder in den Notes nach IFRS. Drohen Inanspruchnahmen, müssen entsprechende Rückstellungen gebildet werden.

Wird die Bank aus dem Avalkredit in Anspruch genommen, kann sie insoweit Rückgriff auf den Avalkreditnehmer, ihren Kunden, nehmen. Für Bürgschaften ergibt sich das aus dem Gesetz; bei Garantievereinbarungen in der Regel aus dem Vertragswerk.

Avalprovision

Da keine Geldleihe vorliegt, der Avalkredit also nicht ausgezahlt wird, fallen keine Zinszahlungen an.

Stattdessen wird eine Avalprovision erhoben. Diese Provision orientiert sich nicht an den aktuellen Marktzinsen oder Durchschnittszinssätzen. Sie richtet sich nach dem individuellen Haftungsrisiko der Bank.

Das Haftungsrisiko ist eine Einschätzungsfrage. Banken können dabei unterschiedlich vorgehen. Berücksichtigt wird regelmäßig die Art des Geschäfts, dessen Risiken mit dem Bankaval abgesichert werden sollen.

Eine Rolle spielen zudem die Laufzeit und der zur Sicherheit erforderliche Umfang des Avalkredits.

Eine entscheidende Rolle spielt schließlich die Bonität des Bankkunden (des Avalkreditnehmers).

Da für Bankavale regelmäßig besondere zusätzliche Sicherheiten nicht gestellt werden, vergeben Banken sie nur bei guter Bonität ihres Kunden. Jedenfalls bei Firmenkunden spielt auch noch die Dauer der Geschäftsbeziehungen mit der Bank eine Rolle.

Die Avalprovision wird als Prozentsatz des haftenden Betrages (Bürgschaft- oder Garantiebetrag) vereinbart.

Die Höhe variiert zwischen 0,5 % und 10 %. Gegenwärtig üblich sind 3 % bis 4 % bei Avalkredit mit üblichem Risiko. Zusätzlich zur Avalprovision können noch weitere Kosten und Gebühren entstehen.

Grundsätzlich wird dem Bankkunden ein Bearbeitungsentgelt für die Ausstellung der Urkunde über die Bürgschaft oder über das Garantieversprechen in Rechnung gestellt.

Laufzeit, Kündigung und Beendigung

Laufzeiten und Kündigungsfristen richten sich nach den Vereinbarungen zwischen kreditgebender Bank und Kreditnehmer.

Meistens ist die Mindestlaufzeit ein Monat. Besonders bei Auslandsgeschäften sind jedoch auch unbefristete Avalkredite üblich.

Werden Laufzeiten und Kündigungsfristen vereinbart, muss sich die Bank an diese Vereinbarungen halten.

Eine Ausnahme besteht bei einem wichtigen Grund wie Vertragsverletzungen des Bankkunden etwa durch falsche Angaben oder eine gravierende Verschlechterung der Bonität. Dann steht der Bank ein Sonderkündigungsrecht zu.

Ein Kredit in Form der Geldleihe ist mit der ordnungsgemäßen Rückzahlung der Kreditsumme und aller Zinsen erledigt.

Bei der Kreditleihe, dem Bankaval, entfällt die Rückzahlung. Avalkredite sind erledigt, sobald das Geschäft zwischen Kreditnehmer und Begünstigten abgeschlossen ist und die Bank die Unterlagen (Bürgschaftsurkunde, Urkunde über Garantieversprechen) vom Begünstigten zurückerhält.

Übliche Bankaval-Arten

Avalkredite werden üblicherweise nach ihrem Verwendungszweck eingeteilt:

  • Lieferungs- und Leistungsgarantie: Abgesichert werden Zahlungen für Waren und Leistungen sowie die Erbringung derselben.
  • Anzahlungsgarantie: Der Avalkredit sichert eine Anzahlung für Lieferungen oder Investitionen.
  • Kreditbürgschaft: Abgesichert wird das Kreditausfallrisiko.
  • Gewährsleistungsgarantie: Gewährleistungsansprüche beispielsweise von Bauherren oder Investoren oder Warenempfängern werden abgesichert.
  • Bieteraval: Konventionalstrafen im Rahmen von Ausschreibungen werden abgesichert.
  • Zollavale: Garantiert wird die Zahlung von Zöllen, insbesondere im Rahmen von Importgeschäften. Importeure erhalten gegen Vorlage eines Zollavals eine Stundung der angefallenen Importzölle, die später mit dem Erlös aus der Weiterveräußerung der importierten Ware beglichen werden können.
  • Konnossementsgarantie: Bankaval zu Gunsten von Reedereien. Schützt vor Schäden, die durch Übergabe von Waren ohne Vorlage eines Konnossements bzw. durch die Ausstellung eines Ersatzkonnossements entstehen.
  • Prozessbürgschaft: Erlaubt die Vollstreckung aus einem noch nicht rechtskräftigen Urteil oder ermöglicht die Abwendung der Vollstreckung aus einem für vorläufig vollstreckbar erklärten noch nicht rechtskräftigen Urteil.

Insbesondere: Mietaval

Die oben beschriebenen Avalkredite spielen überwiegend im Rahmen von Geschäftsabwicklungen eine Rolle. Bei dem Mietaval ist das anders. Sie werden häufig von Privatpersonen beantragt.

Das Mietaval ersetzt die Leistung einer Mietkaution, die entweder aus eigenen Mitteln oder durch einen Kredit aufgebracht werden müsste. Die Bürgschaft bezieht sich auf Ansprüche, die dem Vermieter aus Vertragsverletzungen des Mieters gegebenenfalls entstehen.

Beispielsweise bietet die DKB für Privatkunden Mietavale an. Voraussetzung ist ein DKB Cash Konto und eine mindestens 6-monatige Geschäftsbeziehung zur Bank.

Per 21.10.2016 beträgt die jährlich im Voraus zu entrichtende Avalprovision 3,5 % jährlich, mindestens jedoch 50 €. Für die Ausstellung von Bürgschaftsurkunden werden 30 € erhoben.

Bisweilen wird gefragt, ob ein Mietaval ohne SCHUFA möglich ist. Letztlich zielt die Frage darauf ab, ob manche Banken Mietavale vergeben ohne die Bonität unter Einschaltung von Wirtschaftsauskunfteien zu überprüfen.

Die Antwort lautet: Das ist niemals der Fall. Wird die SCHUFA nicht eingeschaltet, werden andere Auskunfteien wie Infoscore oder Bürgel bemüht.

Infoscore, Bürgel und Co. mögen etwas andere Datensätze anlegen als die SCHUFA. Aber wer Probleme mit negativen SCHUFA-Einträgen hat, der wird auch bei anderen Auskunfteien nicht sonderlich gut abschneiden.

Mietavale können nicht nur bei der DKB Bank beantragt werden, sondern auch bei weiteren Direktbanken wie die SWK Bank oder die norisbank.

Allerdings sind die Bonitätsvoraussetzungen relativ streng. Relativ teure Avalprovisionen sind in vielen Fällen die Folge. Gegenwärtig ist häufig von 6 % die Rede.

Avalkredit online beantragen?

Neben Mietkautionsbürgschaften für private Zwecke können auch Firmenkunden Avalkredite online beantragen. Viele regionale Sparkassen bieten diesen Service für ihre Bestandskunden.

Auch die Postbank und viele Volksbanken ermöglichen eine Onlineanfrage. Wenigstens ist es möglich, über das Internet einen Termin zu vereinbaren oder Kontakt per E-Mail aufzunehmen.

Die Sparkasse Vest Recklinghausen bietet ihren Bestandskunden beispielsweise die Möglichkeit, online einen Avalkredit-Rahmen anzufragen oder die Übernahme einer Bürgschaft in Auftrag zu geben.

Avalkredite: Vorteile und Nachteile

Der wesentliche Vorteil besteht in der Erhaltung der Liquidität und der Entlastung bestehender Kontokorrentkredite.

Geschäftsleute wie Privatpersonen können durch die Stellung einer Bürgschaft oder eines Garantievertrages lästige Bonitätsprüfungen von Vertragspartnern oder Geschäftspartnern umgehen.

Zudem sind Avalprovisionen in der Regel niedriger als die marktüblichen Kreditzinsen.

Mieter sollten sich genau überlegen, ob sie eine Mietkautionsbürgschaft aushändigen oder die Kaution hinterlegen lassen.

Mietavale werden von Banken zu günstigen Bedingungen regelmäßig nur bei guter Bonität ausgestellt. Zwar mag die Avalprovision etwas günstiger sein als die im konkreten Fall anfallenden Kreditzinsen.

Aber die Provision muss aufgebracht werden. Ist genügend Liquidität vorhanden, empfiehlt es sich eher, die Kaution tatsächlich zu erbringen.

Wenigstens fallen dann geringe Erträge auf das Kapital an, weil der Vermieter das Kautionskonto verzinsen muss.

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