Gute Kreditwürdigkeit versus schlechte Kreditwürdigkeit: wohin neigt sich die Waage?

Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit: zwingende Kreditvergabevoraussetzungen

Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit – beide Begriffe beschreiben unterschiedliche Sachverhalte, die zwingende Voraussetzungen für jede Kreditvergabe sind.

Jeder, der schon einmal einen Kredit aufgenommen hat, kennt das:

Banken wollen Angaben zum Alter und verlangen Ausweispapiere zum Nachweis der Identität.

Kreditnehmer sollen bestätigen, dass sie das Darlehen für sich selbst aufnehmen.

Und schließlich enthält jede Kreditanfrage einen mehr oder weniger ausführlichen Fragebogen zu persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Vornehmlich zu den Einkünften und zu bestehenden Verbindlichkeiten werden Auskünfte erbeten.

Banken benötigen all diese Angaben zur Prüfung zweier zwingender Kreditvoraussetzungen: der Kreditfähigkeit und der Kreditwürdigkeit.

Im Folgenden beantworten wir die Fragen, was beide Begriffe bedeuten, worin sie sich unterscheiden und warum die Prüfung von Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit für Banken so bedeutend ist.

Kreditfähigkeit: Definition

Kreditfähig sind natürliche Personen, juristische Personen oder Personengesamtheiten, wenn sie rechtswirksam Kreditverträge abschließen können.

Nur wenn Kreditverträge rechtswirksam zustande gekommen sind, entstehen daraus Verpflichtungen. Andernfalls sind sie nichtig.

Mit nichtigen Verträgen entstehen keine wechselseitigen Ansprüche. Kreditnehmer haben keinen Anspruch auf die vereinbarte Darlehenssumme. Banken haben keinen Anspruch auf Zinszahlungen.

Sind fälschlicherweise schon Leistungen erbracht worden, weil beispielsweise sich der Mangel an der Kreditfähigkeit erst später herausgestellt hat, müssen diese Leistungen gegebenenfalls rückabgewickelt werden.

Spiegelt ein Kreditnehmer wider besseres Wissen vor, kreditfähig zu sein, können Schadensersatzansprüche der Bank entstehen.

Keine Bank möchte nichtige Verträge abschließen, die nur Arbeit und Ärger verursachen.

Unter welchen Voraussetzungen aber ist eine Kreditfähigkeit gegeben?

Die Kreditfähigkeit ist an die Geschäftsfähigkeit der Vertragspartner gebunden. Wann ein Vertragspartner geschäftsfähig ist, das ist unterschiedlich geregelt.

Kreditfähigkeit natürlicher Personen

Natürliche Personen sind geschäftsfähig, sobald sie volljährig sind. Dies ist die Grundvoraussetzung.

Aber nicht jede volljährige Person ist auch geschäftsfähig. Das Gesetz kennt Ausnahmen beispielsweise für den Fall der Bewusstlosigkeit oder der vorübergehenden Störung der Geistestätigkeit.

Wird die Bank dieser Ausnahmetatbestände prüfen? Nein, denn dazu ist die Bank überhaupt nicht in der Lage.

Praxisrelevant sind die Fälle, in denen eine Betreuung angeordnet wurde oder ein Einwilligungsvorbehalt in finanziellen Angelegenheiten besteht.

Wie sieht es bei Minderjährigen aus, die eine Einwilligung oder eine Genehmigung ihrer Eltern als gesetzliche Vertreter vorlegen?

Die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter reicht nicht aus (Paragraf 1822 Nr. 8 BGB). Zusätzlich muss eine Genehmigung des Familiengerichts vorliegen.

Die Genehmigung ist auch im umgekehrten Fall erforderlich: die Eltern schließen als „geheime Vertreter“ für ihr minderjähriges Kind einen Kreditvertrag ab.

Das Beispiel zeigt, warum in den Annahmerichtlinien mancher Banken steht, dass der Antragsteller in eigenen Namen handeln muss.

Banken können die Kreditfähigkeit nur prüfen, wenn der Antragsteller auch der tatsächliche Kreditnehmer ist.

Juristische Personen

Juristische Personen wie Aktiengesellschaften, Vereine oder Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts können nicht selber handeln.

Sie werden durch sogenannte Organe bzw. natürliche Personen vertreten.

Inwieweit die Vertretungsmacht reicht, ergibt sich aus den Satzungen, dem Gesetz und den Eintragungen im Handelsregister.

Handelt es sich um ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen sind neben dem Vorstand beispielsweise auch Prokuristen zur Unterzeichnung von Kreditverträgen vertretungsberechtigt. Handlungsbevollmächtigte hingegen benötigen eine gesonderte Einwilligung.

Bei einer offenen Handelsgesellschaft sind grundsätzlich alle Gesellschafter alleinvertretungsberechtigt. Im Gesellschaftsvertrag können einzelne Gesellschafter von der Vertretung ausgeschlossen werden. Diese Einschränkung ergibt sich dann aus dem Handelsregister.

Bei einer GmbH & Co. KG ist der persönlich haftende Gesellschafter in der Regel die GmbH. Die GmbH handelt durch ihr Organ, den Geschäftsführer.

Juristische Personen des öffentlichen Rechts unterliegen bisweilen besonderen Vorschriften. Beispielsweise kann die Kreditaufnahme einer Kommune von der Einwilligung der Kommunalaufsicht abhängig gemacht werden.

Personengemeinschaften

Personengesamtheiten sind beispielsweise Gesellschaften des bürgerlichen Rechts, Erbengemeinschaften oder nichtrechtsfähige Vereine.

Grundsätzlich müssen alle Personen gemeinschaftlich Kreditverträge abschließen. Denn sie haften auch gemeinsam als Gesamtschuldner. Es gibt keine Organe, die für Personengesamtheiten handeln können.

Allerdings wird es einer Bank reichen, wenn ein Mitglied der Personengesamtheiten den Kreditvertrag abschließt, aber gleichzeitig eine formelle Zustimmung aller Mitglieder rechtsverbindlich nachgewiesen werden kann.

Was bedeutet Kreditwürdigkeit?

Ohne Kreditfähigkeit kommt kein rechtsgültiger Kreditvertrag zustande. Die Feststellung der Kreditwürdigkeit ist für sich genommen hingegen keine Voraussetzung für die rechtliche Wirksamkeit des Darlehensvertrages.

Dennoch ist ihre Prüfung gesetzlich vorgeschrieben. Das ergibt sich aus Paragraf 18 KWG. Mit der Verpflichtung, eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchzuführen, möchte der Gesetzgeber in erster Linie das Funktionieren der Kreditwirtschaft im Ganzen sicherstellen.

Massenhafte Kreditausfälle können zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen führen, wie die kürzlich überwundene Finanzkrise gezeigt hat.

Darüber hinaus sollen Verbraucher geschützt werden. Der Gesetzgeber möchte verhindern, dass Verbraucher durch eine leichtfertige Kreditvergabe der Banken in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden.

Oft wird der Begriff Bonität anstelle von Kreditwürdigkeit verwendet. Beide Begriffe meinen in der Regel dasselbe.

Eine Bonitätsprüfung ist gesetzlich zwingend vorgeschrieben. Banken müssen dafür Sorge tragen, dass die für die Prüfung erforderlichen Unterlagen vom Kreditnehmer tatsächlich vorgelegt werden.

Geschieht dies nicht, kommt entweder kein Kreditvertrag zustande, oder ein bestehender Kreditvertrag wird gekündigt, wenn der Kreditnehmer bestimmte, erforderliche Unterlagen nicht nachreicht.

Nach welchen Regeln die Banken die zwingend vorgeschriebene Kreditwürdigkeitsprüfung vornehmen, darin besteht ein weiter Ermessensspielraum. Jede Bank hat ihre eigenen Vergaberichtlinien.

Deswegen ist es möglich, dass Kreditnehmer bei der ersten Bank eine Ablehnung erhalten, während eine zweite Bank das Darlehen gewährt.

Das Ergebnis der nach den Vergaberichtlinien durchgeführten Kreditwürdigkeitsprüfung entscheidet darüber, ob eine Bank zur Kreditvergabe bereit ist und welche Konditionen gewährt werden.

Unterschieden wird die materielle oder wirtschaftliche Kreditwürdigkeit von der persönlichen oder subjektiven Kreditwürdigkeit.

Bonität: was wird vor Kreditvergabe geprüft?

Erstere bezieht sich auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers, einen bestimmten Kredit zu bestimmten Konditionen zurückführen zu können.

Die persönliche Kreditwürdigkeit bezieht sich auf die Leistungsfähigkeit des Kreditnehmers. Es wird festgestellt, wie zuverlässig ein Kreditnehmer in der Erfüllung von Verbindlichkeiten ist.

Die materielle Kreditwürdigkeit wird anhand der zur Verfügung gestellten Unterlagen festgestellt.

Herangezogen werden Daten zu den regelmäßigen Einkünften, den bestehenden Verbindlichkeiten, den Familienverhältnissen, den Wohnverhältnissen, dem vorhandenen Vermögen und den nach bestimmten Richtlinien geschätzten Haushaltskosten.

Die persönliche Kreditwürdigkeit wird durch Auskünfte von Wirtschaftsauskunfteien ermittelt. Anhand von Scorewerten wird abgeschätzt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmter Kreditnehmer seinen Verbindlichkeiten nachkommen wird.

Zur Feststellung der Erfüllungswahrscheinlichkeit werden alle bei Auskunfteien gespeicherte Daten herangezogen.

Die bekannteste Wirtschaftsauskunftei ist mit Abstand die SCHUFA. Es gibt aber noch weitere Auskunfteien, die im Rahmen einer Kreditvergabe eine Rolle spielen können: Bürgel, Creditreform, Delta Vista, Infoscore oder Accumio.

Bonitätsprüfungen werden nicht nur bei privaten Personen vorgenommen. Auch Unternehmen und Länder unterliegen der Bonitätsprüfung.

Bei Unternehmen spielen beispielsweise folgende Punkte eine wichtige Rolle:

  • Angaben aus den Jahresabschlüssen, zur Eigenkapitalquote, zum Cashflow.
  • Verhältnis des Cashflows zum Umsatz.
  • Ertragssituation.
  • Die Rechtsform des Unternehmens und die Qualität der Unternehmensführung.
  • Investitionsplanung.
  • Vermögen und Verbindlichkeiten.

Die Bonität von Ländern wird von sogenannten Ratingagenturen festgestellt. Die wichtigsten sind Moody‘s, Fitch und Standard & Poor‘s.

Gebildet werden Ratingklassen von A bis C. Die Ratingklasse im A Bereich bei S&P beispielsweise reicht von AAA bis A-.

Jede Ratingagentur nimmt die Einteilung der Klassen etwas unterschiedlich vor und arbeitet mit unterschiedlichen Symbolen. Immer gilt aber:

In der A-Klasse ist die Bonität sehr gut bis gut. Die B-Klasse signalisiert befriedigende bis ausreichende Bonität, sofern sie mit mehr als drei Zeichen dargestellt wird.

Die B-Klasse mit weniger als drei Zeichen signalisiert mangelhafte Bonität. In der C-Klasse ist die Bonität ungenügend.

Für Privatpersonen spielt die Länderbonität eine große Rolle bei der Geldanlage in Staatsanleihen.

Kreditwürdigkeitsprüfungen werden immer dann durchgeführt, wenn eine Leistung nicht sofort mit einer Zahlung beglichen wird. In diese Kategorie fallen nicht nur Kredite.

Weitere Beispiele sind Kreditkarten, Telekommunikationsverträge, Ratenzahlungsverträge, Versicherungen, Mietverträge und Verträge im Online-Handel, bei denen der Händler in Vorleistung tritt.

Während bei Krediten immer sowohl die materielle als auch die persönliche Kreditwürdigkeit geprüft wird, bleibt es bei anderen Verträgen meistens bei einer Auskunft aus einer Wirtschaftsauskunftei.

Bin ich kreditwürdig?

Seine Kreditfähigkeit kann jeder selbst feststellen. Wird beispielsweise ein Darlehen von Eheleuten aufgenommen, muss natürlich jeder Ehepartner kreditfähig sein.

Die eigene Feststellung der Kreditwürdigkeit ist wegen der unterschiedlichen Vergaberichtlinien eher schwierig. Im Internet gibt es aber Hilfsmittel und Rechner, mit denen sich die Kreditwürdigkeit abschätzen lässt.

Beispiele sind der Score Kompass, der auch von smava angeboten wird, und der Kreditwürdigkeitsrechner des Finanzdienstleisters CHECK24.

Unterzeichnen mehrere Personen einen Kreditvertrag, wird für jede Person einzeln die subjektive Kreditwürdigkeit geprüft. Bei der materiellen Kreditwürdigkeit wird hingegen eine Gesamtrechnung vorgenommen.

Beispiel: Bei Eheleuten werden alle Einkünfte und Verbindlichkeiten zusammengerechnet. Die Haushaltspauschale wird anhand der im Haushalt lebenden Personen festgesetzt.

 

Vor jeder größeren Kreditaufnahme sollte zudem eine Selbstauskunft wenigstens bei der SCHUFA eingeholt werden.

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